STASI-Sascha: ein Prachtexemplar im Panoptikum der Walser-Schwiegersöhne

28 Nov

Vermutlich kommt sich Walsers STASI-Schwiegersohn, nachdem die Geschichte seines jämmerlichen und feigen Verrats auf der Kinoleinwand gezeigt wurde, vor wie 007 im Dienste seiner Majestät. Dieser Zahn soll ihm hier gezogen werden.

Wenn die Doku ‚Anderson‘ etwas an den Tag bringt, so ist es die geistige Verkommenheit einer Figur, von der außer ihrer notorischen Wichtigtuerei und ihrer stupenden Schmierigkeit nichts in Erinnerung bleibt. Noch Jahrzehnte nach seinem schmählichen Verrat wird jede Reflexion auf das eigene Handeln, jeder Anflug von Scham oder auch nur Selbstkritik großkotzig abgewehrt. STASI-Spitzel war nicht irgendeine von Andersons Rollen, in die er schlüpfte, um sie eine Zeitlang auszufüllen. Vielmehr ist die Lüge, der Verrat, die Heimtücke, die Hinterlist einer Type wie Anderson bis heute auf den Leib geschrieben. In seiner Funktion als STASI-Spitzel gelangten Wesen und Erscheinung Andersons zur Deckung. Daher geht Anderson auch 25 Jahre nach dem Untergang des Arbeiter- und Bauernstaats noch heute als Idealtypus des Verräters durch: erst als Verräter kommt einer wie Anderson zu sich selbst.  Denn was wäre Anderson sonst? Schriftsteller, als den er sich ausgibt, ist er nie gewesen. Seine Verschen sind in ihrer Einfältigkeit allenfalls Analog-Poesie, ähnlich dem Analog-Käse auf der Tiefkühlpizza. Die verkommene Sprache, die er im Film spricht – kaum ein Satz kommt ohne Vokabeln aus der Fäkalsprache aus -, würde kein mit sprachlicher Sensibilität Begabter in den Mund nehmen. Physiognomisch verkörperte A. bereits als junger Mann in der ihm eigenen Schmierigkeit – sein Markenzeichen war ja der Gestank, den er ausströmte, da er sich nicht wusch und den man noch heute riechen kann, wenn man ihm nahe kommt – stets den Typus des STASI-Sachbearbeiters für Literatur und Poesie. Man kann sich nur über die Ost-Autoren wundern, dass sie einer Witzfigur wie Anderson auf den Leim gehen konnten. Anderson war nie ein Dichter, sondern nur ein Schaumschläger, Popanz und Strippenzieher. All das, was den denkenden Menschen auszeichnet – die Isolation, der Rückzug, das Sich-Abscheiden vom Betrieb, die Absage ans Netzwerk -, war Anderson stets fremd. Es sind eben diese Wesenszüge als hinterhältige, intrigante Betriebsnudel, die Anderson zu seiner zweiten großen Rolle in seiner kaputten Existenz prädestinieren: der Rolle als Schwiegersohn Martin Walsers, mit dem er diese Eigenschaften wie kaum jemand sonst teilt. Beide, A. wie Walser, eint nicht nur die Talentlosigkeit, sondern auch der pathogene Ehrgeiz, es bei totaler schöpferischer Unfähigkeit zu etwas bringen zu wollen, auf Teufel komm raus Wind zu machen, also Eigenschaften, die jeden Verrat immer gewärtigen lassen. Walser wie A. eint eine Biographie, wie sie so manch verpfuschter Existenz eignet: auf ihrem Lebensweg finden sich gezeugte Kinder aus kaputten Beziehungen, für die sie womöglich nicht einmal aufkommen, da sie das Im-Stich-Lassen zu ihrer Maxime gemacht haben, denn als einzige Konstanten ihres Lebenswegs gelten Dünkel und Eigennutz. Und so empfängt Anderson heute sein Gnadenbrot als  Layouter von Walsers Geriatrieprosa, ein Job, für den sich ein Autor, der auf sich hält, zu schade wäre. Dann lieber Hartz IV.

Natürlich konnte Walser an einen Schwiegersohn keine hohen Ansprüche stellen, denn auf dem Heiratsmarkt, auf dem mit harten Bandagen gekämpft wird, hatte Walsertochter Alissa, die den Esprit einer abgestandenen Bierdose und das Temperament einer Magnumpackung Valium verströmt, als ältliche Nachwuchsautorin, die auf die 60 zugeht, keine guten Karten. Auf diesem Markt werden die letzten nicht die ersten sein, sondern werden von den Hunden gebissen.

Und doch liefert die Doku ‚Anderson‘ eine Erkenntnis und einen Beweis, die ich bei meinem nächsten Prozess gegen Walsers Tochter ins Feld werde führen können. Die Erkenntnis: Wenn STASI-Sascha mit sächsischem Zungenschlag „Süsse“ zu seiner post-klimakterischen Gemahlin säuselt, dann weiss man: in 25 Jahren Wiedervereinigung kann nicht alles schlecht gewesen sein. Der Beweis: eine „Schriftstellerin“, die sich den einfallslosen Kosenamen „Süsse“ gefallen lässt, ist keine. Es kann sich nur um eine Literaturattrappe handeln.

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