Archiv | Dezember, 2013

Paranoid & kriminell sind immer die andern – STASI-Spitzel-Braut Alissa Walser im Kampf gegen den Überwachungsstaat

25 Dez

Der von der Nervensäge Juli Zeh lancierte und von diversen Unterschriftstellern unterzeichnete Aufruf gegen digitale Überwachung (FAZ, 10. 12. 13) mutet aus vielerlei Gründen suspekt an. Wenn Leute, die noch nie an einem Mikrofon vorbeigehen konnten ohne hineinzusprechen, allen Ernstes beklagen „ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei“ und den Diebstahl des „freien Willens“, von dem keiner weiß, was das überhaupt sein soll, betrauern sowie auf der längst hinfälligen Trennung von privater und öffentlicher Sphäre bestehen, während sie selbst bereitwillig jeder Redaktion Homestories ihrer faden Künstlerexistenz in der Mark Brandenburg oder am Ufer des Bodensees gewähren, stimmt das jedenfalls mißtrauisch.

Wenn einen solchen Aufruf dann auch noch die STASI-Spitzel-Braut und Walsertochter Alissa zeichnet und sich darüber echauffiert, „in welchem Ausmaß persönliche Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden“, so setzt das dem Ganzen die Krone auf. Alissa Walser ist als Braut des rechtskräftig verurteilten STASI-Spitzels S. Anderson, der durch seine Spitzeldienste für die STASI die Existenz seiner engsten Freunde vernichtet hat, mit dem unbezähmbarsten Denunzianten der letzten Dezennien privat verbandelt und führt mit ihrer Unterschrift unter das Manifest das ohnehin zweifelhafte Unternehmen vollends ad absurdum. Wenn die Spitzel-Braut über die Überwachungstechniken der NSA Klage führt, so ist dabei ein gutes Stück Konkurrenzneid mit im Spiel. Fürchtet sie etwa um lukrative Einnahmequellen künstlerisch vollends gescheiterter Poeten, die nun von staatlichen Diensten nicht mal mehr geschmiert zu werden brauchen, da die digitalen Überwachungskanäle den guten, alten Denunzianten aus der Analogepoche beschäftigungslos gemacht haben? Wenn Alissa quengelt: „Ich will nicht, dass der Staat in meinem Auftrag ein Phantom jagt, von dem er sich gejagt fühlt“, so sollte sie diesen Satz doch lieber an ihren Göttergatten richten als an irgendwelche ungenannt bleibenden Staaten. Wer sich zu einem Spitzel ins Bett legt, hat endgültig das Recht verwirkt, Menschenrechtsverletzungen qua digitaler Überwachung anzuprangern. Wenn Walsers Töchterchen verkündet: „Das alles produziert systematisch Paranoia“, so könnte sie damit ihren eigenen Geisteszustand gemeint haben, wie er in jenem Gutachten ihres Seelenklempners zum Ausdruck kommt, welcher mich für die seelischen und körperlichen Defekte seiner Patientin verantwortlich macht und welches die Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen mich flankiert. Eine Autorin, die ihren Kritiker für die eigenen psychischen und physischen Aussetzer haftbar macht und somit das Grundrecht freier Rede unter Strafe zu stellen versucht, andererseits aber vom Schutz digitaler Menschenrechte faselt, scheint fürwahr von ihrem Spitzel-Gemahl in die hohe Kunst des Denunzierens und Diffamierens eingeweiht worden zu sein. 

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Walser – der letzte Mensch lebt am längsten

3 Dez

Pünktlich zur Weihnachtszeit trudelt eine neue Strafanzeige des Literaturverwesers Martin Walser gegen mich ein. Walser deutet das von mir auf ihn gemünzte Adorno-Wort „Von sehr bösen Menschen kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass sie sterben“ als meinen Todeswunsch. Davon kann keine Rede sein. Abgesehen davon, dass ich mir meine Gegner lieber unter Lebenden suche, sagt Adornos Sentenz nichts über irgendwelche Wunschvorstellungen aus, sondern über die Grenzen der Vorstellungskraft. Auf Walser bezogen, geht es vielmehr um die Differenz zwischen Unsterblichkeit und Unaufhörlichkeit.

Wenn etwas dem Schriftsteller M. Walser keinesfalls beschieden sein wird, so ist das Unsterblichkeit. Das Erscheinungsdatum seiner Machwerke wird diktiert vom jeweiligen Buchmessentermin, und ihre Haltbarkeit ist bestimmt vom Ende der Saison, für die sie geschrieben sind. Die unheimliche Zählebigkeit, die ihm als leiblicher Person zu eigen ist und die er mit einem schmutzigen alten Mann wie Erich Priebke teilt, gemahnt indes sehr wohl an jene Unaufhörlichkeit, die das Gegenteil der Kategorie der Unsterblichkeit ist. Ohnehin fragt man sich staunend, wie jemand derart mimosenhaft reagieren kann, der vor einigen Jahren auf über 200 Seiten eine antisemitische Mordphantasie gegenüber einem Überlebenden des Warschauer Ghettos in mehreren hunderttausend Exemplaren unters Volk gebracht hat. Gedächtnisverlust? Realitätsverlust? Paranoia?

Außerdem nimmt Walser daran Anstoß, dass ich das Verdikt H. W. Richters über ihn („Psychopath„) anführe. Dabei hätte ich noch ganz andere Passagen Richters über ihn zitieren können, etwa diese: „Immer taumelt er – fast somnambul – hinter der Entwicklung her, einmal mit Kafka, einmal mit Proust, und sein vielumstrittenes Einhorn ist stilistisch schlechtester Nachexpressionismus (…). Welches Gequassel, welche Sucht nach Wortexperimenten: selbst das weibliche Geschlecht muß hier Fleischspalte heißen. Und alles mit einer Erotik, die zum Kotzen ist, schwüle Pubertät eines frühzeitig alternden Mannes, der vergessen hat zu leben.“ Oder: „(…) Walser, den ich schlicht ‚gehirnkrank‚ nannte.“ Oder: „Walser (…), der immer dann, wenn er sich in einer schöpferischen Krise befindet, nach dem Strohhalm Politik greift. Was dabei herauskommt, ist oft hart an der Grenze des Irrsinns.“

Dass Walser von anderen Schriftstellern wie niemand sonst verachtet wird – W. Herrndorf nannte ihn den „senilsten Sack der deutschen Literatur“, und Th. Bernhard verhöhnte ihn als den „Opel Kadett“ unter Deutschlands Autoren – sollte er nun wirklich nicht mir ankreiden. Warum begnügt sich Walser nicht mit den Lobpreisungen subalterner Buchbesprecher wie J. Saumagen, A. Widmann oder M. Lüdtke? Das ist nämlich genau die Mischpoke, zu der Distanz zu halten für jeden denkenden Menschen eine Frage des guten Geschmacks ist.