Archiv | Oktober, 2013

Walser – der üble Nachrufer

11 Okt

Es war nicht die Frage, ob jemand, sondern lediglich wer die Pietätlosigkeit aufbringen würde, nach Reich-Ranickis Tod ausgerechnet den Walser, der mit seiner antisemitischen Mordphantasie an MRR vor 10 Jahren die Bestsellerliste gestürmt hatte, aufzufordern, einen Nachruf auf diesen zu fabrizieren. Viele tippten, dass nur der würdelose Schirrmacher, der für sein feiges Lavieren zwischen Walser und MRR bekannt ist, dazu imstande sei, eine solche Leichenschändung in Auftrag zu geben. Aber nein, diesmal war es die Redaktion der ZEIT, die Walser, der in seinen Tagebüchern davon phantasiert, wie er MRR ins Gesicht schlägt, ein Angebot machte, das eine Figur wie Walser, die kein Schamgefühl kennt, nicht ablehnen konnte. Einfach zu schweigen, nur ein einziges Mal den Mund zu halten, hätte dem Verfasser des antisemitischsten deutschen Romans der Nachkriegszeit gut zu Gesicht gestanden. Dass Walser einen Text abgeliefert hat, der das vulgäre Triumphgefühl desjenigen, der länger lebt, ausdrückt, damit war bei einer Figur von der geistigen und moralischen Verkommenheit Walsers zu rechnen. Dass er jedoch Legenden in die Welt setzt wie jene, MRR habe ihn gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz genommen, nachdem Walser ihm in seinem Hetzroman im Stile der Nazis abartige sexuelle Vorlieben für Schwangere im 3. Monat  angedichtet hatte, soll wenigstens an dieser Stelle nicht unwidersprochen bleiben: „Schon sind rund 150.000 Exemplare dieses Buches im Umlauf, eines Romans, der gegen die Juden hetzt, der, hier und da dem Vorbild des ‚Stürmers‘ folgend, Ekel hervorrufen möchte. Welche Folgen werden sich daraus ergeben? Ich weiß es nicht, denn ein solcher Roman ist nach 1945 in deutscher Sprache noch nicht veröffentlicht worden. Ich weiß es nicht, ich fürchte mich. Ich bin nun 82 Jahre alt, doch der Autor vom Bodensee kann sich damit nicht abfinden, dass ich noch lebe und arbeite. Er kann sich ja ausrechnen, dass es nicht mehr lange dauern wird. Aber er ist auf grausame Weise ungeduldig.“ (MRR)

Per einstweiliger Verfügung ließ Walser MRR die Äußerung verbieten, Walser habe „sinngemäß geschrieben, dass die Juden, die den Holocaust überlebt haben, allein durch ihre Existenz ihren deutschen Zeitgenossen das Leben schwer machen. Das ist durchaus kein Antisemitismus, das ist Bestialität.“

Walsers Nachruf, der einer üblen Nachrede recht nahe kommt, bedient sich noch anderer Abgefeimtheiten. So stempelt er MRR, für den Kafka neben Th. Mann der bedeutendste Autor des 20. Jahrhunderts war, zum Einfaltspinsel, wenn er ihm das Geständnis unterschiebt, er, MRR, habe ihm, Walser, anvertraut, dass er „mit Kafka nichts anfangen könne“. Man muss nicht dabei gewesen sein, um zu wissen, dass es sich dabei nur um ein Märchen handeln kann.

Walser, die älteste Dreckschleuder Deutschlands, bedient auch im Nachruf sein antisemitisches Publikum, wenn er davon faselt, dass „für Juden jede Kritik an der deutschen Teilung ein Ärgernis war“. Abgesehen davon, dass es für die Teilung Deutschlands gute Gründe gab, die keinesfalls nur von Juden vorgebracht wurden, erscheinen ‚die Juden‘ bei Walser ganz im Sinne der Nazis als völkisch-rassische Entität, als einstimmiges Kollektiv, welches keine Ausnahmen kennt und welches wie stets von Antisemiten als Feind der Nation ausgegeben wird.

Seine Denunziation, dass ausgerechnet Walsers Kritiker aus „Nazifamilien“ stammten, erledigt sich von selbst, wenn man weiß, dass Walsers Mutter Auguste als überzeugte Antisemitin bereits Anfang 1932 in die NSDAP eingetreten ist. Aber was war schon zu erwarten von einer Figur, der jedes Ehr- und Taktgefühl selbst am offenen Grab ein Fremdwort bleibt?

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