Archiv | September, 2012

Der unwürdige Preisträger – Wissenswertes über F. Schirrmacher, den Handlanger Martin Walsers

24 Sep

„Gedächtnis ist eine moralische Kategorie.“ (Theodor W. Adorno)

Mit der Verleihung der Joseph-Neuberger-Medaille ausgerechnet an den Journalisten Frank Schirrmacher dokumentiert die Jüdische Gemeinde Düsseldorf einen bedenklichen Gedächtnisverlust. Als Laudator des für seine antisemitischen Exzesse bekannten Kleinbürger-Herrenmenschen Martin Walser hat Schirrmacher nicht nur 1998 anläßlich von Walsers Frankfurter Paulskirchenrede eine unrühmliche Rolle gespielt. Auch danach hat er Walser gegen den nicht nur von Ignatz Bubis erhobenen Vorwurf der „geistigen Brandstiftung“ stets und bis heute in Schutz genommen. Schirrmacher hat zudem als Moderator der Walser-Bubis-Debatte versäumt, Walser wegen dessen judenfeindlicher Infamien zur Ordnung zu rufen. Bereits zuvor hat Schirrmacher in seiner Funktion als Literaturchef der FAZ keinen Autor derart hofiert wie den Literaturverweser Martin Walser, weshalb Schirrmacher mit einiger Berechtigung als dessen Steigbügelhalter gelten kann. Dass Walsers Werke auch vor 1998 viele Beispiele eines hundsföttischen Antisemitismus enthalten – einmal wird in einem seiner Romane sogar ein deutscher Schäferhund durch jüdische Feindseligkeit der Deportation ins Verderben ausgeliefert -, davon erfährt man bei Schirrmacher nichts. Seit Ende der 80er Jahre entfaltete sich Walsers Karriere unter der geistigen Schirmherrschaft Schirrmachers. Dieser sorgte dafür, dass Walsers Romane in der FAZ  vorabgedruckt wurden, dass Walser der FAZ sakrosankt war. Mit der Protektion Walsers folgte Schirrmacher brav den politischen Vorgaben seines Mentors, des Albert-Speer-Speichelleckers Joachim Fest.

Dass Schirrmacher Walser im Jahr 2002 gelegentlich des antisemitischen Hass-Pamphlets gegen Reich-Ranicki die Gefolgschaft nur kurzzeitig aufkündigte, bezeugt die journalistische Prinzipienlosigkeit, die Frank Schirrmacher wie kaum ein zweiter deutscher Journalist verkörpert. Im Jahr 2006, nachdem der Satrap des Edel-Nazis und Antisemiten Albert Speer, Joachim Fest, Walser zu seinem Grabredner bestimmt hatte, war der Streit zwischen Schirrmacher und Walser flugs beigelegt – Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Seitdem ist Walser bei der FAZ wieder wohl gelitten, er darf dort veröffentlichen, man druckt sogar sein Werk wieder vorab, er wird über den grünen Klee gelobt. Welch schäbigen Verrat übt Schirrmacher dadurch an seinem Vorgänger Reich-Ranicki, denn Walser hat seine Hasstiraden gegen Reich-Ranicki oder Bubis nie zurückgenommen. Erst durch diesen Verrat Schirrmachers kann sich Walser als Triumphator der Scharmützel aus den Jahren 1998 und 2002 fühlen.

Dass Schirrmacher scharfsinnig zu argumentieren versteht, zeigte sich am Beispiel seiner Stellungnahme zu Grass`Israel-Gedicht. Dass er seinen Verstand aber lediglich okkasionalistisch einsetzt und bei Grass erkennt, was er bei Walser partout nicht wahrhaben will, obwohl beide Fälle denselben antisemitischen Projektionen entspringen, disqualifiziert ihn geistig wie moralisch als Träger der Joseph-Neuberger-Medaille.

Wer heute das Loblied auf Frank Schirrmacher singt, tritt die Erinnerung an Ignatz Bubis mit Füßen.

Carl Wiemer

Obigen Text verteilte ich als Flugblatt am 20.9.12 vor der Düsseldorfer Synagoge. Mittlerweile hat die dortige Jüdische Gemeinde wohl erkannt, dass sie mit der Ehrung Schirrmachers ein kapitales Eigentor geschossen hat. Als ich deren Vorsitzenden in einem Telefonat über die innigen Beziehungen Schirrmachers zu Fest und Walser ins Bild setzte, antwortete dieser perplex: „Wenn wir das vorher gewusst hätten, wäre die Entscheidung anders ausgefallen.“

Advertisements